Feuerland: Fjorde, Gletscher, Pinguine

Feuerland: Fjorde, Gletscher, Pinguine

Pinguine stolzieren am Ufer, hopsen ins Meer, brüten in den Büschen. Willkommen auf den Tucker Islands. Über 4000 Pinguine tummeln sich hier, genauso große Vogelkolonien. Die Inseln stehen unter Naturschutz, dürfen nicht betreten werden. Aber das rege Treiben der Magellanpinguine lässt sich vom Schlauchboot eindrucksvoll erleben, genauso an den Vogelfelsen. Wildnis pur. Bevor es zu den Pinguininseln geht, führt die Reise an Bord des Expeditionsschiffes Ventus Australis vom chilenischen Punta Arenas durch die Magellanstraße und den Beagle-Kanal. Wasserstraßen, die nach Abenteuer klingen. Das berühmte Segelschiff Beagle war hier unterwegs. Unser Kapitän ist nicht Captain Fitz Roy, sondern Omar Galindo. Er ist Chilene – wie übrigens fast die gesamte Besatzung der Ventus.

Wo Patagonien auf das Meer trifft.

Punta Arenas liegt am Ufer der Magellanstraße und ist eine Stadt mit Hafen- und Viehzuchttradition – die legendären Paläste der Schafbarone sind auch heute noch zu bewundern. Vielfältige Museen und ein monumentaler Friedhof, schöne Aussichtspunkte, nette Cafés und Restaurants, das typische Alltagstreiben am Zócalo und eine kilometerlange Promenade am Meer locken genauso wie die Umgebung mit dem Leuchtturm San Isidro und dem Vulkan-Nationalpark Pali Aike. Tierfreunde finden ihr Paradies auf der Isla Magdalena und der Isla Marta, der Heimat von Pinguinen, Seelöwen und Seevögeln. Ein attraktiver Startpunkt also, bevor es abends mit dem bis zu 200 Gäste
fassenden Expeditionskreuzfahrtschiff AUSTRALIS VENTUS losgehen darf durch die berühmte Magellanstraße. Für die nächsten Tage wird es keine menschliche Zivilisation geben, keine Siedlungen, keine Straßen. Das Labyrinth an Fjorden, Inseln und Wasserkanälen war bereits im 15. Jh. bekannt, wurde aber für undurchdringlich gehalten. Bis Fernando Magellan 1520 eine erfolgreiche Route durch die über 500 km lange Meerenge fand. 2020 wurde „500 Jahre Entdeckung der Magellanstraße“ gefeiert. Heute kann die Schiffsroute sicher durchsegelt werden. Die beeindruckende Geografie von Feuerland (Tierra del Fuego) lässt sich auf der 5-tägigen Fahrt durch die Kanäle und Fjorde sowie bei Landausflügen hautnah erleben, vorbei an Gletschern und den Kordilleren bis zum sagenumwobenen Kap Hoorn.

Gletscher und Pinguine

Am frühen Morgen steuert Kapitän Galindo sein Schiff den Admiralty Sound hinauf in die Fjorde des Alberto-de-Agostini-Nationalparks. Wer frühmorgens an Deck ist, erlebt in der Ainsworth Bay „Patagonien live“. Innerhalb von 15 Minuten gibt’s Nebel, Regen, Sonne und einen
Regenbogen, mächtige Schneeberge, und der Marinelli-Gletscher sorgt für einen grandiosen Blickfang. Die Ainsworth Bay soll natürlich auch per Landgang erkundet werden. „Bergschuhe, Rucksack und Regenschutz bitte mitnehmen“, rät Catalina, die die deutschsprachigen Gäste führt. „Dry landing“, erklärt sie. Wir können also vom Zodiac ohne Wasserkontakt an Land gehen. Durch Buschland geht’s bergan zu einem Aussichtspunkt. „Hier lässt sich fein erkennen, wie das Leben nach dem Rückzug der Eismassen wiederkehrt“, erklärt Catalina. „Früher hat hier indigene Bevölkerung gelebt, aber die wurde vertrieben und ausgerottet.

Die Ureinwohner waren übrigens auch für den Namen Feuerland verantwortlich. Die weißen Entdecker sahen in den Wäldern Feuer flackern, der Name Tierra del Fuego war die Folge.“ Die junge Chilenin aus dem chilenischen Patagonien hat Deutsch und Englisch studiert, arbeitete als Übersetzerin, bevor sie von ihrem Uni-Professor auf den Job am Expeditionskreuzfahrtschiff aufmerksam gemacht wurde. „Ich wurde auch wegen der Deutschkenntnisse ausgewählt, zum Naturguide ausgebildet und habe meine Probefahrten absolviert“, lächelt sie. „Seitdem bin ich auf der Ventus beschäftigt und versuche im chilenischen Sommer mit viel Enthusiasmus mein Wissen an die Gringos weiterzugeben.“
Zurück an Bord wird ein feines Mittagessen serviert, heute mit Ceviche als Vorspeise und einem kräftigen Steak als Hauptspeise, sehr chilenisch abgestimmt, eine vegetarische Alternative wird immer geboten. Nachmittags wartet mit den Tucker Islands und den Magellan-Pinguinen das nächste Highlight. Die Zodiacfahrer bieten all ihre Erfahrung auf, um die Gäste möglichst nah und fotogünstig an die am Ufer dahinwatschelnden Pinguine zu bringen.

Die Ventus Australis. 

Nach diesem eindrucksvollen Seetag wartet auf uns noch die spektakuläre Ausfahrt aus der Bucht, bevor in der große Lounge auf Deck 5 das Expeditionsteam bei Kaffee, Tee, Drinks und Snacks das nächste Tagesprogramm vorstellt. Vorträge über indigene Völker, die Entdeckungsgeschichte und die Tierwelt – zum Beispiel Kondore und Pumas – gehören zum Expeditionsalltag. „Wissensvermittlung und Sensibilisierung über die fragile Natur ist wichtig“, ist Catalina überzeugt. Alle Touren werden von fachkundigen Guides begleitet.
Australis hat sich als einziger Anbieter auf dieser Wasserstraße etabliert, die nachhaltige Kooperation mit Wissenschaft und den Nationalparkbehörden wird gelebt. Man verzichtet auf WLAN-Garantie und Animation, der Blick aus dem Panoramafenster bietet eine 24–Stunden-Show.
Icy Road. In der Nacht wird der Beagle-Kanal durchquert, und im nächsten Fjord wartet große Natur – der Pia-Gletscher. Nach dem Frühstück geht’s per Zodiac auf eine nahe Landzunge und dann zu Fuß bergan zu einem Aussichtspunkt. Von dort lässt sich der bis zu 20 km lange Pia-Gletscher in voller Pracht bewundern. Deutlich ist das Knacken und Schieben der Eismassen zu vernehmen, immer wieder donnern Eisstücke ins Meer. Zurück an Bord fährt die Australis Ventus durch ein Gebiet namens „Glacier Alley“. In dieser Allee der Gletscher wälzen sich riesige Gletscher Richtung Meer. Das Naturschauspiel lässt sich gemütlich durch die Panoramafenster genießen, eindrücklicher und näher ist das Spektakel draußen auf Deck 5 zu verfolgen. Rein in die Goretex-Jacke und in feste Handschuhe, und dann heißt’s staunen und Feuerlands Wetterkapriolen trotzen! Die meisten der Gletscher sind übrigens nach europäischen Ländern benannt – Aleman, Frances, Italia, Holandia. Die Reise durch die Gletscherallee wird zudem auch kulinarisch landestypisch mit kleinen Gustohäppchen in der Lounge begleitet.

Next Stopp: Kap Hoorn

Im Morgengrauen überquert das Schiff die Nassau Bay und erreicht einen sturmumtosten Archipel, den Cape Hoorn National Park. Zum Nationalpark, der 2005 zum UNESCO-Biosphärenreservat diplomiert wurde, gehören mehrere Inseln, von denen die südlichste als Kap-Hoorn-Insel (Cabo de Hornos) bekannt ist. Hier treffen Atlantik und Pazifik aufeinander, hier tobt der Wind, hier liegen die Schiffswracks.
1616 von einem niederländischen Team entdeckt, ist Kap Hoorn ein steiler Felsvorsprung, der auf die stürmischen Gewässer der Drake Passage Richtung Antarktis blickt. Viele Jahre lang war das Umrunden des Kaps die einzige Schifffahrtsroute zwischen Pazifik und Atlantik und wurde ehrfurchtsvoll als das „Ende der Welt“ bezeichnet. Heute betreibt die chilenische Marine hier einen Leuchtturm, betreut von einem Marineoffizier und seiner Familie. Zu den Wahrzeichen gehören auch die Stella-Maris-Kapelle und das moderne Kap-Hoorn-Denkmal. Jose und Pamela leben hier mit ihren beiden Kindern Sofia und Gael sehr einsam, der Marineoffizier Jose ist für den nautischen Verkehr zuständig. Es ist ein
weltfernes Leben, aber es fehlt an nichts. Regelmäßig werden sie mit Nahrungsmitteln versorgt, Internet und Telefon funktionieren – trotz wild tobender Natur vor der Haustür. Und gelegentlich kommt im südamerikanischen Sommer ja Besuch vorbei, denn Australis hat hier die Erlaubnis für Anlandungen, wenn es das Wetter erlaubt.

Indigenes Land

Vom südlichsten Punkt segelt die Australis nordwärts, setzt nachmittags Anker in der Wulaia-Bucht. Hier lebten die Selk’nam und die Yaghan, hier landeten Kapitän Fitz Roy und Charles Darwin. Vier Ureinwohner wurden sogar auf die lange Reise nach Europa, in die Alte Welt, mitgenommen. Hier gibt es wieder „Zivilisation“ in Form einer alten chilenischen Funkstation. Australis wartet in dem Haus ein Museum, das die indigene Besiedlung, die Entdeckungsgeschichte und die folgende Missionierung mit eindrucksvollen Bildern und Relikten dokumentiert.
Nicht zu vergessen das Postfass, wo man fotogen seine Ansichtskarten einwerfen kann. So wurde die alte Tradition der Postübermittlung touristisch wiederbelebt. Zukünftige Reisende sollen die Karten und Briefe als Postboten mitnehmen. Die Wulaia-Bucht lädt aber auch zu Wanderungen. Durch patagonischen Märchenwald mit Lengas und Canelos, vorbei an Farnen, Flechten und Moosen geht es bergan. Der Wind pfeift durch das Unterholz, es ächzt und knarrt. Feuerland pur. Auf einer Waldlichtung bietet sich schließlich ein 5-Sterne-Panoramablick über diese Welt der grünen Buchten und Inseln. Heute übrigens kaum besiedelt, die indigene Bevölkerung wurde leider schon zu Entdeckungszeiten fast ausgerottet. Mit viel Wehmut geht es zurück an Bord, das Ende der Fahrt naht. Auf Deck 5 wird mit einem Pisco Sour auf die erfolgreiche Tour angestoßen. Am Außendeck sind bald die ersten menschlichen Siedlungen zu sehen, am Beagle-Kanal gibt es mit dem argentinischen Ushuaia und dem chilenischen Puerto Williams sogar städtische Strukturen.

Das Tor zur Antarktis

Einst war Ushuaia das Sibirien von Argentinien. Ein Ort, wohin Schwerverbrecher und politische Häftlinge verbannt wurden. Wo sie unter unmenschlichen Bedingungen den Aufbau der Stadt bewerkstelligten. Vorbei sind diese Zeiten, heute ist die Stadt ein florierendes touristisches Zentrum, das Zuchthaus ist ein informatives Museum. Ushuaia ist ein würdiger Abschluss der Reise, bildschön umrahmt von den zackigen Bergen der Darwin-Kordilleren. Argentiniens südlichste Stadt pflegt einen alpenländischen Chalet Stil, hat gute Hotels, feine Restaurants und eine Shoppingmeile. Vor den Toren der Stadt regiert weiter die Natur, Skilifte und Wanderwege regen zum Sport an. Bequeme Gäste reisen mit der historischen Bahn in den nahen Nationalpark. Und per Roadtrip lässt sich im Hinterland die Welt der Haciendas und Gauchos erkunden. Vor allem ist Ushuaia aber heute der Ausgangspunkt für Reisen in die Antarktis. Sehnsuchtsvoll ist der Blick im Hafen zu den kleinen Expeditionsschiffen, die von hier die Reise zum Eiskontinent, der Antarktis starten.

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Feuerland: Tucker Islands

Feuerland: Punta Arenas

Feuerland

Feuerland: Expeditionsschiffes Ventus Australis

Feuerland

Feuerland

Feuerland

Vor Kap Hoorn

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Ushuaia

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