Nachtzüge haben keinen Applaus.
Sie fahren, wenn andere schlafen. Sie kommen an, wenn der Tag noch zögert. Und sie gehören denen, die nicht sofort da sein müssen.
Im Abteil wird das Licht gedimmt. Gespräche verkürzen sich. Die Landschaft draußen verliert ihre Konturen und wird zu einer dunklen Fläche, in der sich nur noch das eigene Spiegelbild zeigt.
Der Nachtzug ist kein Transportmittel.
Er ist ein Übergang.
Man steigt ein mit dem Geräusch des Tages im Kopf – Terminen, Stimmen, Nachrichten. Und irgendwann, zwischen zwei unsichtbaren Bahnhöfen, wird es stiller. Nicht draußen. Sondern innen.
Triest liegt am Meer, sagt man. Aber im Nachtzug liegt man zunächst bei sich selbst. Man hört das rhythmische Schlagen der Schienen, dieses gleichmäßige „Weiter, weiter“, das nicht drängt, sondern trägt.
Im Flugzeug ist man plötzlich da.
Im Nachtzug wird man langsam jemand anderes.
Vielleicht ist das der eigentliche Luxus dieser Reise:
Zeit zu haben, bevor man ankommt.
Und wenn am Morgen das Licht durch den Spalt des Vorhangs fällt, wirkt die Stadt nicht wie ein Ziel.
Sondern wie eine Fortsetzung.

