Tropische Vulkaninseln, versteckte Strände und eine fantastische Unterwasserwelt
Die Royal Clipper ist mit 134 m Gesamtlänge und 5000 qm Segelfläche das derzeit größte 5 Mast Segelschiff der Welt. Ein schnittiger Rumpf, nostalgisch wirkende Holzeinrichtung verziert mit Messing, majestätische Masten, 60 m in den Himmel ragend, – der schwedische Schiffseigentümer Mikael Krafft hat mit dem Bau seines Großseglers eine geschmackvoll gelungene Kombination an Stil, Tradition und modernem Komfort für anspruchsvolle Schiffsreisende kreiert. Dazu kommt seine Reisephilosophie: „Das Ziel einer Reise ist nie ein Ort, sondern eine neue Sichtweise“, schrieb Henry Miller. Der schwedische Eigner lebt dieses Zitat – und hat mit dem bayrischen Kreuzfahrtdirektor Peter Kissner einen genialen Routenplaner für neue Zielgebiete. Denn natürlich gehört zu einem besonderen Schiff auch die besondere Route. Eine Inselhopping Tour durch die Kleinen Antillen erfüllt jedenfalls karibische Reiseträume. Wie auf einer Perlenschnur reihen sich von Süd nach Nord St. Lucia, Martinique, Dominica, Guadeloupe, Antigua und St. Kitts auf. Der Starthafen liegt in Barbados, dort lässt es sich vor der Schiffsreise wunderbar auf karibischen Lifestyle einstimmen. Die 430 Quadratkilometer kleine Zuckerrohrinsel ist einer der wenigen Karibikstaaten, die in ihrer Geschichte von nur einer Fremdmacht beherrscht wurden. Darauf sind die Bajans, so bezeichnen sich die Einwohner, auch heute noch mächtig stolz. Staatsoberhaupt ist nach wie vor die britische Königin, aber seit 1966 agieren die Insulaner unabhängig. Tourismus, Erdöl, Zucker und Finanzprodukte sorgen für einen breiten Wohlstand und eine geringe Analphabetenrate. Man bekennt sich als „Little England“, ist verrückt nach Kricket und verfügt über ein schier unglaubliches Wassersportangebot bis hin zur U-Boot Tour.
Very british !
Yeah Man! Welcome in Barbados, taxi to Bridgetown?“ so empfängt uns in kreolischem Bajan - Englischkauderwelsch und mit breitem Grinsen der Taxifahrer. Die Lockerheit ist vom ersten Moment an spürbar, auch die Hauptstadt Bridgetown wirkt sympathisch relaxed: Weiße Sandstrände, urige Bars, quirlige Märkte, unter die Haut gehende Calypsoklänge und - English Lifestyle.
Viel erinnert in der 100 000 Seelenstadt an die ehemalige Kolonialmacht, von der „teatime und „fish and chips“ über Linksverkehr und Schuluniformen, Criquet und Rugby, bis zum Trafalgar Square (National Heroes Square) samt Nelson Statue. Aber trotz aller Disziplin und Höflichkeit – „Mother Africa“ überwiegt mit Reizen und Rhythmus. Ab dem 17.Jh. lebten hier immer mehr Afrikaner denn Briten! Herz der Stadt ist der trichterförmige Hafen Careenage. Wo früher Fracht- und Segelschiffe landeten, laden heute Brücken, bunte Holzstege und die Waterfront Arcade zum Entdecken ein. Gleich dahinter sorgt die belebte Broad Street mit Büro- und Bankpalästen, Warenhäusern, Märkten, Regierungsgebäuden und Kirchen für ein lebendig buntes englisch – kosmopolitisches Stadtbild. Alltag pur erleben wir am Gemüsemarkt, Lebensfreude und karibische Langsamkeit live.
Wertvoller Sand
Azurblau, tiefblau, türkis - der Himmel, das Meer bis zum Horizont, die Unterwasserwelt im Folkstone Marine Park und das seichte Wasser am Strand. Die Kellner schleppen Cocktails herbei, Sonnenjunkies und Badenixen räkeln sich in Liegestühlen. Der Wind raschelt in den Palmen. Die Platinküste rund um Holetown an der Westcoast ist der Karibiktraum in Perfektion. Hier erfolgte der erste Landgang britischer Kolonisten 1625, hier an der Platinum Coast begann man mit mondänen Hotelbauten und Tourismus. Vom chicen Mango Bay Hotel mit seinem Fünf Sterne Beach aus kann man endlose Strandspaziergänge unternehmen, genauso vor der Haustür in die turbulente Bajan Szene mit Rasta Cafes und Souvenirbuden einsteigen. Oder auch fein in Restaurants karibisch - kreolisch speisen. Wirklich abwechslungsreich wird es bei einer Mietwagentour im Backcountry, das andere Barbados kommt zum Vorschein: sanfte grüne Hügellandschaften mit Zuckerrohrfeldern, dazwischen kleine Dörfer mit pittoresken Kirchen und Rumshops. Wer dort hinfährt, lebt am Puls der Insulaner!
Leinen los!
Endlich haben wir Karibikwasser unter dem Kiel, die Royal Clipper nimmt Fahrt auf. Man fühlt sich wie Kolumbus auf Entdeckungsreise, wenn dieser Schiffsriese, angetrieben von 42 Segeln, zur Musikhymne von Vangelis` „Conquest of Paradise“ aus dem Hafen läuft. Erinnerungen an Piratenfilme oder den berühmten Fernsehhelden James Onedin werden wach. Für eine Woche bestimmen nun Wind und Wellen unser Leben – und natürlich die 100 Mann Besatzung des „Piratenseglers“. In Safety Talks und Rettungsübungen wird Sicherheit vorgelebt, zudem schmunzelnd „Seglerlatein“ vermittelt. Die Bedeutung von Bug und Heck ist bekannt, genauso dass Zimmer als Kabinen, Fenster als Bullaugen und die Küche als Kombüse bezeichnet wird. Mit Steuerbord (rechts) und Backbord (links) kommt man auch bald zurecht. Und bei Lee und Luv hilft der markige Spruch eines mitreisenden deutschen Seebären:„Spuckst du nach Lee, fliegts in die See. Spuckst du nach Luv, fliegts wieder ruff ! Einprägsamer geht’s wirklich nicht. Jedenfalls ist die Individualität und Ruhe vom ersten Moment an spürbar, irgendwie dominiert das Gefühl an Bord einer Privatyacht unterwegs zu sein. Denn die Royal Clipper ist nicht nur ein originalgetreuer Nachbau der historischen und legendären 1910 im Ärmelkanal gesunkenen „Preußen“, sondern auch ein leistbares Luxus-Segelschiff mit geräumigen Außenkabinen für 227 Gäste. Die Tagesstunden an Bord lassen sich mit drei Swimmingpools, zahlreichen Deckliegen, Bars und einer Bibliothek mit Kamin locker und angenehm verbringen, sportlich Aktive schwitzen gerne im Fitnesscenter und Massageraum. Zudem gibt es gute Nachrichten für die Dinner time im Restaurant und „Anzugsmuffel“: die Kleidung ist tagsüber locker-leger, abends sportlich-elegant. Krawatte und Abendkleid können zuhause gelassen werden. Seebären und Segelromantiker schweben ohnehin im “siebten Himmel“, sie können bei Manövern selbst am Steuer stehen, beim Segelsetzen behilflich sein und mit dem Kapitän und Offizieren fachsimpeln. Oder gut gesichert den Mast erklimmen, wo man vom „Krähennest“ einen unbeschreiblichen Blick auf das Meer, das Deck und eine Orgie an weißen Segeln hat. Und betreff Umweltverträglichkeit wird die Starclippers Flotte mit Nachhaltigkeits-Awards belohnt. Wind ist einfach emissionsfrei…….
St. Lucia und seine Pitons
Gäbe es ein Ranking der beliebtesten karibischen Fotomotive - die Pitons, zwei 700 m hohe majestätische Vulkankegel nahe dem Städtchen Soufriere, wären ganz vorne. Der Petit Piton hat UNESCO Weltnaturerbe Status und der Grand Piton lässt sich, wer es sportlich und kalorienvernichtend anlegt, in 2- 3 schweißtreibenden Stunden erwandern. Mit großartigem Rundumblick. Genauso beeindruckend ist der gemütliche Tet Paul Nature Trail - immer mit Blick auf die Vulkankegel. Und nach der Wanderung geht’s sofort zu den Soufriere Sulphur Springs, wo warmes Wasser die Muskel lockert - und der aufgetragene Schwefelschlamm die Haut um Jahre jünger werden lassen soll. Wellness extrem ist für jene angesagt, die sich unter der kalten Wasserfalldusche die letzten Schlammreste aus den Hautporen spülen lassen. Dazu passt dann bei einem Ganztagesausflug die Mittagsrast mit feiner kreolischer Küche im Stonefield Estate oder im Dasheene Restaurant inmitten der Pitonlandschaft perfekt. Lassen sie sich in St. Lucia nicht die Vielfalt der kreolischen Küche mit ihren typischen Gewürzen und Gemüsen entgehen. Genauso wenig versäumen sollte man die Gelegenheit, den „Drive-In“ Vulkan mit seinen Schwefelquellen und den blubbernden Schlammquellen zu besuchen. Soufriere bedeutet schlichtweg Schwefel, hier teuflisch brodelnd, aber sehr fotogen. Das ist auch der Botanische Garten mit seiner immergrünen Vielfalt.
Kolumbusinsel
Schlangenland, Waitukubuli, nannten die einheimischen Kariben die Insel, den Namen Dominica erhielt sie von Kolumbus, da er sie am Sonntag entdeckte. Es war das erste Land, das der berühmte Genuese auf seiner zweiten Reise in die neue Welt sichtete. Die Insel gilt als das Naturjuwel, von erloschenen Vulkanen bis zum Grünen Paradies der Emerald Pools, von Regenwäldern bis zu Wasserfällen und Seen, von Traumstränden und Mangrovenufern bis zu einsamen Fischerdörfern reicht das Spektrum. Im Carib Territory leben auch heute noch die Nachfahren jener Kariben, die sich Jahrhunderte lang den Begehrlichkeiten der Engländer und Franzosen entgegenstemmten. Schlussendlich erfolglos. An einem langen Landtag lässt sich hier viel erkunden – individuell oder im Rahmen der gebuchten Touren. Wie so oft legt die Royal Clipper dabei nicht direkt im Hafen an, sondern liegt in der Bucht vor Anker. Die „Königin der Segelschiffe“ nützt ihre Wendigkeit, kann Buchten, Fjorde und Häfen ansteuern, wo die klassischen Kreuzfahrtriesen wegen Platznot und Manövrierunfähigkeit fehl am Platze sind. Sightseeinghungrige werden mit dem Tenderboot in den Hafen gebracht, Sonnenhungrige und Wassersportler zum nächsten Strand oder zum Riff. Dort können Sportaktivitäten wie Windsurfen, Seekajakfahren und Schnorcheln gratis ausgeübt werden, karibische Tauchgänge samt Dive Instruktor sind kostenpflichtig.
Sundowner und Dinner
Zurück an Bord gibt’s immer viel über die Landgänge zu erzählen, Erfahrungen werden an der Bar draußen beim Sundowner ausgetauscht. Bei Reggae, coolen Drinks und karibischem Rum lässt sich leicht Seemannsgarn spinnen. Längst ist europäischer Stress abgefallen, die Langsamkeit und Lässigkeit der Karibik fasziniert. Zudem erfahren Gäste bei der Storytime des Kreuzfahrtdirektors Wissenswertes und Amüsantes über die Tour und die Anlegehäfen. Kulinarischer Höhepunkt ist die Dinner Time, die Smutjes zaubern die feinsten Gerichte. Widerstehen ist fast unmöglich ! Selbst bei täglichem Aktivprogramm und fleißig zurückgelegten Schwimmkilometern wird die Waage am Ende der Tour wohl weiter oben anschlagen......
Land in Sicht.
Mittlerweile zelebriere ich die frühen Morgenstunden. Der erste Blick aus dem Bullauge, dann mit dem Kaffee in der Hand an Deck zum Steuermann schlendern. Auf der Brücke ist der Zugang zu den Offizieren und zur Navigation zwanglos erlaubt. Zudem erfahren Sie bei der wöchentlichen Storytime des Kreuzfahrtdirektors Wissenswertes und Amüsantes rund um die Anlegehäfen. Und schließlich die ersten Sonnenstrahlen ganz vorne im Bugnetz liegend genießen, manchmal von Delfinen begleitet. Vor uns taucht Land auf, darüber türmen sich bedrohlich dunkle Wolken - Szenen wie im Piratenfilm. Nur mit wenigen anderen Frühaufstehern müssen wir dieses tagtägliche Farbspektakel teilen, viel eindrücklicher und positiver kann ein Tag wohl kaum beginnen. Gut zwei Stunden später, nach einem herzhaften Frühstück, liegt die Royal Clipper vor Anker, der nächste Landgang lockt. Die Bilderbuchinsel Antigua wirbt mit 365 unterschiedlichen Stränden. Weiss ,gelb, gold und ocker glänzen sie, einer schöner wie der andere. Das dürften die Engländer anfangs noch nicht erkannt haben, sie setzten hier ab 1667 ihre Sträflinge aus. Bis sie erkannten, dass sich die tief ins Landesinnere ziehenden fjordähnlichen Buchten bestens als Häfen eignen. Flugs wurde English Harbour zum am besten geschützten Hafen der Karibik ausgebaut. Siedler kamen, bauten in Monokulturen Zuckerrohr an, Handel und Hafen blühten. Doch das ist längst Vergangenheit, seit 1981 ist Antigua unabhängig, Tourismus, Offshore Banking und Spielcasinos sorgen für gehobenen Wohlstand. Während die Royal Clipper Mannschaft in der Bucht das Barbecue vorbereitet, wandeln viele Gäste durch den historischen Hafen von English Harbour, bewundern in Nelsons Dockyard die berühmten gregorianischen Docks. Imposante Kolonialbauten und mächtige Wehrbauten, allesamt UNESCO geschützt, erinnern an glorreiche Zeiten der englischen Seefahrt. Nebenan gibt es im Hafen ein millionenschweres Stelldichein von Yachten. Der Jetset weiß, wo es sich gut leben lässt…..
Keep Cool.
Jetzt aber nichts wie rauf zum besten Panoramablick über Antigua – Shirley Hights! Dort bauten bereits die Engländer ihr Fort und Kasernen. Unglaublich schöne Strände blitzen im Gegenlicht, dazwischen der Traum in Blau. Genau dort werden wir einige Stunden später unter den Klängen von „Conquest of Paradise“ aus dem Hafen auslaufen, einen knallroten Sonnenuntergang erleben ,von einer Steelband an Bord inspiriert werden. Und mit St. Kitts und Guadeloupe warten die nächsten Sehnsuchtsinseln. Außerdem denken Mikael Kraft und der Oberstorfer Seebär und Entdecker Peter Kissner immer voraus – ab Winter 2022 sind auch Panama und Costa Rica neue Ziele……
